Mittwoch, 20. Juli 2011

Gastbeitrag von Klaus Schwarzwälder: Ein Weg zum guten Klang

Ich freue mich ganz besonders, daß ich heute einen fundierten Praxistest einer gelungenen Audio-Umgebung als Gastbeitrag von Klaus Schwarzwälder veröffentlichen darf. Klaus hat (zusammen mit dem gesamten Team der Milonga) die Anregungen von Christian Tobler in der Vergangenheit hier im Blog ernst genommen und der Milonga in Biel eine gute Anlage verpasst. Den Weg dorthin hat er in einem Gastbeitrag zusammengefasst. Ich habe schon mit eigenen Ohren hören dürfen, wie eine gute Anlage den alten Tango-Aufnahmen einen atemberaubenden Detailreichtum entlocken kann. Vielleicht ist manche Leserin, mancher Leser versucht, zu behaupten, man könne dies auch mit weniger Aufwand erreichen. All diesen Menschen möchte ich jedoch Mut machen, die Milonga in Biel erst einmal zu besuchen. Danach können wir dann immer noch debattieren... :-)))
Mir bleibt es nur, mich ganz herzlich bei Klaus für den Gastbeitrag zu bedanken.


Ein Weg zum guten Klang
Ein Gastbeitrag von Klaus Schwarzwälder aus Biel/CH
Kann es sein, dass mehr als eine Handvoll Leser daran interessiert sind, was wir in unserer kleinen Stadt unternehmen, um an unserer Milonga die Gäste mit einem guten Sound zu verwöhnen?


Die Motivation
Ganz unbescheiden haben wir für uns das Ziel formuliert in unserer Region eine der besten Milongas anzubieten, denn ohne die Tänzerinnen und Tänzer, die auch bereit sind 30 bis 50 km zu fahren, sind wir an unserem Ort zu wenig Leute, um eine stimmige Milonga zu betreiben.

Es ist, glaube ich, unbestritten, dass die Musik beim Tanzen das Wichtigste ist. Ein paar wenige könnten ihre Leibesübungen auch ohne Musik machen, aber das ist eine andere Geschichte. Neben allen Bemühungen gute Gastgeber zu sein, was sicher wichtig ist, haben wir uns auf einen guten Klang oder guten Sound konzentriert.

Vor ca. einem Jahr brauchten wir dringend neue Lautsprecher. Das Budget war klein und die Zeit war knapp. So kaufte ich, auf Anraten eines Verkäufers, zwei Aktivlautsprecher JBL EON 315 für immerhin ca. 1200.- Euro. Die Leistung genügte, um die 120 m2 zu beschallen, aber leider waren die Lautsprecher den Anforderungen der Tangomusik, und damit meine ich die Musik der 30er bis 50er Jahre also der sog. EdO, überhaupt nicht gewachsen. Diese Lautsprecher eignen sich vielleicht für Popmusik aber nicht für Musik mit akustischen Instrumenten. Wir befanden uns also wieder auf Feld eins. Aber was tun, wenn die Verkäufer in den Fachgeschäften keine Ahnung von den Bedürfnissen der Tangomusik haben, und niemand in unserem Verein über die nötigen Fachkenntnisse verfügt?

Die richtige Fachperson finden
Durch diesen Blog bin ich auf Christian Tobler von argentango.ch aufmerksam geworden. Das Interview von Cassiel mit ihm hat bei mir zwar jede Menge Widerspruch ausgelöst. Später aber haben mich seine vielen sehr ausführlichen Beiträge zur Musikqualität neugierig gemacht und ich habe direkt mit ihm Kontakt aufgenommen. Sehr schnell konnten wir einen Termin für eine Hörsession bei Christian und Monika finden. Ausserdem war ich mit meiner Partnerin ein paar Mal an einer Milonga mit Christian als TJ. Die Hörsession war umwerfend aber auch die Milonga hat einen Sound geboten, der sehr ansprechend war. So war es naheliegend, bei argentango.ch um eine Beratung nachzufragen.

Wer aber glaubt, von Christian ein Kochrezept für eine Audioanlage zu bekommen, der wird sehr schnell eines Besseren belehrt. Er ist ein fordernder Berater und ich kam nicht darum herum meinen Wissensstand auf ein Niveau zu bringen, das erlaubte einigermassen auf Augenhöhe miteinander zu diskutieren. Ich habe also auf Anraten von Christian innerhalb kurzer Zeit eine Menge Fachliteratur, das Meiste in Englisch, gelesen.

Jetzt wird es ernst
Der nächste Schritt war das Auswählen von Lautsprechern, die wir Probe hören wollten. Dabei mussten wir verschiedene Kriterien beachten.
  • Wir sind in einem Saal eingemietet und müssen jedes Mal auf- und abbauen, deshalb sollte das Gewicht nicht zu gross sein.
  • Um die jeweilige Installation so einfach wie möglich zu machen, bevorzugten wir Aktivboxen, was heisst weniger Kabelsalat und auch billigere Kabel; wir brauchen 20 m.
  • Wir haben eine Tanzfläche von 120 m2 und etwas Eingangsbereich zu beschallen. Dazu braucht es Lautsprecher mit einem gewissen Durchsetzungsvermögen, deshalb tendierten wir zu einem PA-System.
  • Dann natürlich das Wichtigste, die Lautsprecher müssen der Tangomusik gewachsen sein. Das tönt sehr einfach, ist aber die eigentliche Knacknuss. Der Markt für diese Art Musik ist einfach zu klein, und keine Firma beschäftig sich explizit mit diesem Problem oder es sei dann in einem Preissegment das für die allermeisten Milongaveranstalter nicht mehr bezahlbar ist.


Wir wählten folgende Lautsprecher aus
  • Seeburg M3 mit einem 15“ Basschassis und koaxialer Bauweise.
  • Seeburg TSM 12 mit 12“ Basschassis konventionelle Bauweise.
  • Kling und Freitag CA 1001 SP 12“ Basschassis und Horn für Hochtöner
  • Tannoy Power V8 aktiv 8“ Basschassis und koaxiale Bauweise.
Dies sind alles Aktivboxen.
Dann Dazu hat Christian aus seinem Fundus noch 2 Tannoy Studiomonitoren, 30 Jahre alte Passivlautsprecher, mitgebracht. Unsere JBL EON 315 waren auch dabei, quasi als Negativbeispiel.
Wir wollten die Lautsprecher in unserem Milongaraum hören. Über verschiedene Kanäle haben wir die ganze Ware angemietet oder bekamen sie zur Verfügung gestellt.
Christian und Monika, unsere 3 TJs und meine Partnerin haben während 5 Stunden die Lautsprecher auf Herz und Nieren getestet. Damit wirklich alles die gleiche Vorraussetzung hatte haben wir alle Lautsprecher mit dem genau gleichen und qualitativ sehr hochstehenden Setting von Christian betrieben.
Christian Tobler (li.), René Maurer und Monika Diaz (re.)

Klaus Schwarzwälder (li.) und Christian Tobler

Das überraschende, frustrierende oder logische Resultat, je nach Standpunkt, war, der einstimmig beste Lautsprecher in dieser Auswahl war der 30 jährige Studiomonitor von Tannoy! Aber diese Dinger sind so schwer und wir hätten 4 Stück gebraucht, denn Studiomonitoren haben keine grosse Reichweite. Obwohl diese Monitoren sehr wohl auf dem Gebrauchtmarkt in den USA und GB zu finden sind, haben wir darauf verzichtet. Die zweite Wahl, glücklicherweise auch einstimmig, war der Tannoy Power V8. Es ist einfach erstaunlich was diese kleinen Dinger alles können und dazu wie sie es können. Allerdings waren wir uns einig, dass wir mindestens 3 oder noch besser 4 Lautsprecher für unser Lokal brauchen. Glücklicherweise fanden wir 4 gebrauchte Tannoys zu einem Preis, der im Rahmen unseres Budgets lag.


Eine Zwischenbemerkung
Kritische Mitleser, wenn überhaupt noch jemand mitliest, werden sich jetzt fragen, warum nicht diese oder jene Marke getestet wurde??? Wir mussten uns beschränken, es war so schon schwierig genug, diese paar Lautsprecher am gleichen Tag am gleichen Ort zu haben. Selbstverständlich haben wir auch vorevaluiert und verschiedene Produkte kamen gar nicht in Frage weil sie meilenweit von den Bedürfnissen der Tangomusik entfernt sind oder für uns finanziell unerreichbar waren. Aber, ich muss zugeben, im Preisrahmen der von uns gewählten Marken hätte es sicher ähnlich gute Produkte anderer Marken gegeben.

Wie bereits gesagt, wir sind 3 TJs, die abwechslungsweise auflegen. Um die Sache etwas komplizierter zu machen haben wir auch 3 verschiedene Systeme (Mac, Windows und Linux) mit verschiedenen Playern und DA-Wandlern. Erwartungsgemäss war das Resultat unterschiedlich. Ich möchte mich hier nicht auf eine Diskussion über diese drei Systeme einlassen. Darüber ist, glaube ich, schon genug geschrieben worden, möchte aber betonen, dass keiner von uns jemals ein technisches Problem hatte. Wir wollten, egal wer auflegt, die gleich hohe Klangqualität.


Eine unkonventionelle Lösung
Christian Tobler hat zur Lösung nicht nur dieses Problems die Verwendung eines Finalizers empfohlen. Wir haben uns dieses Gerät auch auf dem Gebrauchtmarkt beschafft, sonst hätte es unseren Budgetrahmen gesprengt.
Ein Finalizer kann neben erstklassigem AD-DA-wandeln noch eine ganze Menge und wird normalerweise beim Mastern eingesetzt. Man kann damit jede Menge Unfug treiben, und ohne das Wissen von Christian hätten wir von den immensen Möglichkeiten dieses Gerätes weder etwas gewusst noch hätten wir gewagt, ein solches Gerät einzusetzen. Nun wird in Kürze jeder unserer TJs seine eigene Einstellung programmiert haben, die die Eigenheiten des jeweiligen Systems korrigiert.

So sieht unsere Audioanlage aus
die Daten vom Laptop über USB auf ein Gerät, das mit höchster Präzision taktet und in SPDIF umwandelt; dann der Finalizer; danach ein kleines Gerät, das die Musik praktisch verlustfrei in Mono ändert und gleichzeitig die sehr wichtige „galvanische Trennung“ macht, was jede Brummschleife verunmöglicht. Von dort gehen wir mit einem einzigen Audio- und Stromkabel auf die Lautsprecher, die untereinander verschlauft sind (in Serie geschaltet) und in der Mitte des Saals an der Decke wie ein Kronleuchter leicht nach unten geneigt aufgehängt sind. Das bringt eine sehr homogene Beschallung des Saals mit der grössten Lautstärke auf dem Tanzparkett und im Sitzbereich am Rand der Tanzfläche ist die Musik angenehm leiser. Das erlaubt uns allgemein etwas leiser zu spielen und die Gäste müssen sich nicht anschreien, wenn sie sich unterhalten wollen.
Tannoy Power V8 (Rigg: Eigenkonstruktion)

Der Sound ist, und ich bin jetzt ganz unbescheiden stolz, grossartig. Ich konnte früher mit gesungenen Tangos nicht sehr viel anfangen, jetzt finde ich die meisten ganz einfach umwerfend. Wir haben für diesen Sound ungefähr 4500.- Euro ausgegeben und unzählige Stunden Arbeit investiert, ohne das letzte Kabel oder Schrauben zu berechnen. Dazu kommt noch die Beratung von argentango.ch.

Ein paar abschliessende Gedanken
Ich möchte hier Christian Tobler und Monika Diaz für ihre Unterstützung inklusive moralischer Unterstützung herzlich danken. Ohne sie zwei hätten wir in so kurzer Zeit und ohne Umwege unser Ziel nicht erreicht.

Alle, die interessiert sind, oder ganz einfach nicht glauben wollen, dass diese Qualität für so wenig Geld möglich ist, können irgendwann einmal bei uns tanzen und zuhören. Zwei unserer TJs spielen 100% traditionell, einer spielt ca. 80% traditionell.

Für uns TJs ist die ganze Angelegenheit noch nicht fertig. Wir müssen, und das wird von unserer Musikanlage jetzt brutal entlarvt, unser Quellenmaterial verbessern. Wer einmal gehört hat, wie Tangos der EdO tönen können, der ist mit MP3 nicht mehr zufrieden.

Wir hoffen, mit dieser Investition genügend Tänzerinnen und Tänzer anzusprechen, die den guten Klang, die sorgfältig ausgewählte Musik und unsere Gastfreundschaft schätzen. Dann haben wir alle den ganzen Aufwand gerne geleistet.

Klaus Schwarzwälder

Infos: LOCOTANGO - cumparsita.ch

13 Anmerkung(en):

PacoDaCapo hat gesagt…

Bravo!! Leider ist Die Schweiz i. d. Regel zu weit weg für mich, wie schade. Nun bin ich gespannt, ob solche eine Neuinstallation mit kritischer fachlicher Begleitung auch mal jemand im Norden Deutschlands vornimmt.

Übrigens, bei Tannoy war ich selbst auch schon mal gelandet, kleine transportable Boxen mit gutem Klang.

B. G. hat gesagt…

Ein gleichzeitig schwieriger und schöner Beitrag!

Schwierig, weil er in sich abgeschlossen ist und man nur wortlos staunen kann. Einen Kommentar kann ich kaum schreiben - ausser, daß ich dringend in die Schweiz muss, mein nicht vorhandenes Schwarzgeld auf einer Milonga in Biel verprassen. :-)

Schön, weil es noch Milonga-Betreiber mit einem Anspruch an die Musik und an den Sound gibt. Wunderbar!

Darf ich abschließend eine Frage stellen? Haben die Besucher der Milonga die Änderung bemerkt? Haben sie etwas gesagt?

Lieber Klaus, schreibst Du in einem halben Jahr oder so noch einmal einen Bericht, was sich geändert hat?

Anonym hat gesagt…

Ich finde es gut, dass es endlich mal eine Größenordnung gibt. 4.500 Euro für Gebrauchtgeräte und eine 120m2 Milonga. Das ist ja zumindest mal ein grober Anhaltspunkt.

Auch ich werde hoffentlich mal nach Biel kommen.

Anonym hat gesagt…

Der Bericht ist in sich so abgeschlossen, dass es schwer fällt, dazu zu schreiben. Es bleibt die Erkenntnis: Die Aufnahme der goldenen Ära verlangen eine behutsame technische Behandlung. Das sollte inzwischen klar sein. Vielen Dank an Klaus, Christian und Cassiel. Sie bringen das Thema immer wieder auf die Tagesordnung und wenn es auch unangenehm ist: Es bleibt ein wesentlicher Punkt im Milonga-Alltag.

Klaus hat gesagt…

@ alle
Herzlichen Dank für die Komplimente ich werde sie an alle die mitgeholfen haben weiterleiten. Wir freuen uns euch in Biel als Gäste zu haben.

@ B.G.
Ja wir bekommen von unseren Gästen positive Rückmeldungen. Es ist interessant, ein Teil spricht direkt vom besseren Klang. Andere sprechen von der tollen Musikauswahl die aber nicht anders ist als sie vorher war. Deshalb kann man annehmen, dass sie die Musik als Ganzes viel positiver wahrnehmen weil sie besser klingt. Es ist für alle viel entspannter. Auch der DJ kann, ohne Angst zu haben, dass etwas aus dem Ruder läuft, auch mal tanzen.

@ anonym
Wenn dir der Betrag von 4500.- Euro Mut macht auch etwas in dieser Richtung zu unternehmen hat sich mein Bericht schon gelohnt. Ich wünsche dir viel Erfolg.

Herzliche Grüsse Klaus

Harald hat gesagt…

Ein schöner Bericht! Mich würde interessieren, warum Ihr in Biel Euch einen Berater gesucht habt und wie seid Ihr auf Christian Tobler gekommen? Mir ist es noch nicht so richtig klar, welche Aufgabe er bei Euch erfüllte. Klaus, könntest Du noch schreiben, was für Literatur er Dir gegeben hat?

Peter Fangmeier hat gesagt…

Hallo Klaus,

kannst du bitte die einzelnen komponenten der an lage beim namen nennen ?
für den fall das es noch andere interessenten gibt... das ganze ohne preisangabe da sie sich ja eh ständig ändern.

vg
Peter Fangmeier

Klaus hat gesagt…

@ Harald

Warum wir einen Berater gesucht haben? Ich habe das zum Teil schon geschrieben, aber ich kann es noch ein bisschen detaillieren. Wir hatten schon rund 1200.- Euro für Lautsprecher ausgegeben, die unseren Ansprüchen überhaupt nicht genügten. Da unsere Mittel beschränkt waren und unsere Ansprüche gross, konnten wir uns keinen Umweg mehr leisten und ich weiss von meiner beruflichen Tätigkeit, dass es oft billiger ist mit jemandem zusammenzuarbeiten, der Bescheid weiss, als selber herumzuwursteln.

Nun, Christian Tobler ist im eigentlichen Sinn kein Fachmann, denn er hat kein entsprechendes Diplom vorzuweisen. Aber hier eine meiner Erfahrungen: Leute, die sich mit einem Problem so intensiv auseinandersetzen wie das Christian mit der Tangomusik gemacht hat und immer noch macht, wissen oft mehr als sog. Fachleute.

Wie auch schon beschrieben, habe ich bei Cassiel das Interview mit Christian Tobler gelesen und ich hatte das Gefühl, dass da einer ziemlich dick aufträgt. Bei mir leuchtete die Lampe Widerspruch auf. Ich glaubte, auch ein bisschen etwas von Musikübertragung und Technik zu verstehen, bin ich doch ein grosser Musikliebhaber und besitze zu Hause eine sehr gute Anlage. Aber ich musste feststellen, dass mein ganzes Wissen eigentlich Pseudowissen war. Je mehr ich die wirklichen Facts kennen lernte, umso mehr musste ich Christian recht geben, und nach der Hörsession bei ihm war ich sicher, dass er für unser Problem die richtige Person ist. Insbesondere stellte ich auch fest, dass er sehr umgänglich und tolerant ist.

Die Zusammenarbeit hat sich so gestaltet, dass Christian eher Mentor als Berater war. Wir waren in der Lage alle Entscheidungen mit seiner Unterstützung selber zu fällen. So war die Akzeptanz in unserem Verein auch viel besser, mussten doch Beträge bewilligt werden, die unsere Kasse leerten.

Die Literatur, welche ich auf anraten von Christian gelesen habe, handelt weniger von reiner Technik als von der Geschichte der Aufnahmetechnik, die ja sehr viel mit Tango zu tun hat, und den Möglichkeiten der Musikbearbeitung, also Mastering. Und genau auf diesem Gebiet wurde beim Digitalisieren der Tangomusik der grösste Unfug getrieben. Wenn man bei der Wiedergabe einen Finalizer einsetzen will, sollte man zumindest teilweise das Buch von Bob Katz (eine Koryphäe des Masterings) lesen und verstehen. („Mastering Audio-the art and the science“ ISBN 978-0-240-80837-6)
Ausserdem kann ich das kleine Buch von Robert K. Morrison „Disk Recording 1930-1960“
empfehlen. Nicht nur für Technikfreaks interessant, sondern für alle, die sich mit der Musik der EdO beschäftigen. Nur auf Vorauszahlung bei Highlands Laboratories zu beziehen.
Lesenswert sind auch die Veröffentlichungen der Hochschule für Musik in Wien, zu finden unter http://www.mdw.ac.at/I101/iea/tm/scripten.php?navId=5 . Ausserdem ein Bericht von Fritz Fey vom Studio Magazin „Jenseits von 0 dBFS oder wie man zuverlässig D/A Wandler übersteuert“.
Herzliche Grüsse, Klaus

Klaus hat gesagt…

@ Peter Fangmeier

vom Laptop zu den Lautsprechern der Reihe nach:

- V LINK ASYCHRONOUS USB TO S/PDIF CONVERTER von Musical Fidelity
- TC Electronic Finalizer 96 K (Achtung Softwareversion 3.5 beachten)
- Atelier der Tonkunst M.U.T.T.I
- Tannoy Power V8 Aktiv Lautsprecher

Ich möchte aber alle davor gewarnt haben, jetzt einfach diese Anlage nachzubauen. Insbesondere die Benutzung eines Finalizer setzt grosse Sachkenntnis voraus. Die Möglichkeit mit diesem Gerät Unfug zu treiben ist x mal grösser als die Wiedergabe zu verbessern. Statt dessen empfehle ich einen guten, mit Betonung auf guten, D/A Wandler mit einem guten Player auf dem Laptop zu kombinieren. Diese Anlage ist auf unseren Raum abgestimmt und bringt sehr gute Resultate. Was aber nicht heissen will, dass in einem anderen Raum mit einem anderen Setting nicht ein besseres Resultat möglich ist. Der Titel dieses Beitrags lautet ja „Ein Weg zum guten Klang und nicht „Der Weg.....“ Was ich aber mit Sicherheit nach all diesem Aufwand sagen kann: Bei Neugeräten sollte ein Budget von mindestens 6000.- aber besser 10‘000.- Euro vorhanden sein. Mit viel Ausdauer und Glück kann es mit gebrauchten Geräten etwa die Hälfte sein.

Herzliche Grüsse Klaus

Peter Fangmeier hat gesagt…

Hallo Klaus,

vorab danke für die schnelle antwort.
ich bin wie du der meinung das die musikalische qualität bereits bei dem roh/quellmaterial beginnt und habe mich daher schon länger von mp3 gelöst. das system ist ja mittlerweile auch in die jahre gekommen und die speicherkosten haben sich deutlich geändert.

mir persönlich genügt die pos-1 deiner liste um privat meine musik-daten sauber vom laptop auf eine beosound 9000(B&O) zu bekommen.

das dj-ing etc. ist nicht mein thema ...

vg
Peter Fangmeier

cassiel hat gesagt…

Üblicherweise halte ich mich ja gerne bei Gastbeiträgen zurück, hier (so denke ich) kann eine Anmerkung sachdienlich sein.

Ich hatte ja im Januar einen Bericht über meinen Besuch bei Christian und Monika veröffentlicht. Bis dahin war ich auch der Meinung, mir müsse niemand etwas über Audio-Wiedergabe erzählen. Was ich erlebt (und gehört) habe ließ mich umdenken.

Ich habe keinerlei Probleme damit, zuzugeben, daß auch ich eine Anleitung (oder vielleicht besser: Begleitung) bei den ersten Hörsessions benötigt habe. Ein: "Achte hier einmal auf die Melodie des Kontrabsses" oder ein "Hör' mal die Transparenz in den Mitten bei dieser CD" hat mir sehr geholfen und mein Gehör geschärft.

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Kauf einer Stereo-Anlage für meine Eltern vor über 20 Jahren. Wir hatten vom Großvater etwas Geld geerbt und so war ich war mit meinen drei Geschwistern in einem Hifi-Geschäft um unseren Eltern eine neue Stereo-Anlage zu Weihnachten zu schenken. Wir waren (endgültig) bei der Wahl der Lautsprecher komplett überfordert.

Natürlich ist Christian in seiner Art manchmal sehr deutlich. Aber er weiß, wovon er spricht. Und wenn ich mir so überlege, wofür Tangoveranstalter welchen Aufwand betreiben, dann ist eine professionelle Beratung bei der Beschaffung von Audio-Equipment für die Milonga sicherlich ein Segment, in dem man sich den Rat vom Fachmann gönnen sollte.

sweti hat gesagt…

Die bestklingende Milonga, die ich je besucht habe.

Teil 1
In Rahmen der Züricher Tangowoche hielt ich mich in Zürich auf und meine Freude war groß, als ich die Einladung von Klaus bekam die Milonga in Biel zu besuchen. Da an den Abend in Zürich eine Neotango-Milonga angekündigt war, verließ ich die Finanzmetropole von Schweiz ohne jegliche Bedenken und nach eine gute Stunde Bahnfahrt und 10 min Fußweg durch Biel wurden wir (ich und meine Partnerin) herzlichst von Hedi und Klaus zu Hause begrüßt. Es tut hier zwar nicht zur Sache, aber ich möchte mich für den herzlichen Empfang und die unwahrscheinliche Gastfreundlichkeit den Beiden hier bedanken.

Die Milonga war für 8:30 angekündigt. Wir trafen vor Ort ein wenig früher ein – der Verein, der diese Milonga betreibt, muss jedes Mal Alles auf und abbauen – so dass ich die Vorbereitungen miterleben konnte. Der Saal war leer, nur die Tannoys hingen an der Decke. Es war ein mittelgroßer Raum (viele Gasthäuser im Deutschland haben ähnliche Räumlichkeiten; sie wurden als Versammlungsräume o.Ä. verwendet), der leer war und für meine Empfinden eine schlechte Akustik aufwies. Tische und Stühle stapelten sich um die vier Wände. Nur der Parket sah gut aus, obwohl Hedi mich glich um den eine „Loch“ am Eingang informierte. Nach und nach verwandelte sich der Raum – Stühlen und Tischen wurden geordnet, Kerzen angezündet, schöne Tangobilder schmückten die Wände. Die ersten Tangotakten ertönten durch die Lautsprächer. Die Musik war leise aber sehr deutlich. Bässe und Höhen klangen präzise und trocken, die mittleren Töne waren sehr gut aufgelöst. Keine störenden Reflexionen von den Wänden waren zu bemerken.

Obwohl gerade die Züricher Tangowoche lief, fühlte sich die Milonga relativ schnell. Die Tänzer kamen, begrüßten sich an der Tür und verteilten sich auf die Sitzplätze, die an den vier Wänden angeordnet waren. Der Geräuschpegel wurde immer höher, die Musik war immer noch leise aber sehr deutlich und präsent. Man müsste sich nicht anstrengen mit den Nachbarn zu sprechen, gleichzeitig hörte man sehr gut was aus den Lautsprechern kam. Endlich traute ich mich auf die Tanzfläche und mein Erstaunen wurde noch größer. Man könnte jedes Musikinstrument deutlich hören. Die Stimme der Sänger war kristallklar und verständlich. Besonders angenehm war der Kontrabass, man konnte entspannt tanzen ohne sich ständig um den Takt zu kümmern – man „spürte“ den Kontrabass immer. Ich hatte diesen Abend viele schöne Tandas, es war ein Genuss!

sweti hat gesagt…

Die bestklingende Milonga, die ich je besucht habe.

Teil 2
Ich denke, folgende Faktoren sind für den hervorragende Soundqualität wichtig:

1. Die mittige Platzierung der Lautsprecher. Dadurch konnte ein homogenes Schallfeld erzeugt werden, dessen Intensität in der Richtung der Wände, wo die Zuschauer saßen, abnahm. Dadurch wurden die Zuschauer nicht übermäßig beschallt (bei der Platzierung der Lautsprechern in den Raumecken würde gerade das Gegenteil erreicht) und man konnte sich entspannt unterhalten.

2. Die Verwendung eines Monosignals. Dadurch wurden unerwünschte Effekte, die durch Phasenverschiebung der beiden Stereosignale in Raum entstehen, vermieden und der Eindruck des „kristallklaren“ Sounds geschaffen. Besonders Stücke mit Podesta, Moreno und Maida waren für mich sehr angenehm.

3. Die Verwendung von hochwertigen symmetrischen Kabeln mit einer galvanischen Trennung von den Finalizer (MU.T.T.I., wie Klaus schon erklärte, dient zur Erzeugung der Monosignal und realisiert die galvanische Trennung) verhinderte die, so lästigen und leider auf Milongas oft hörbaren, Brummschleifen.

4. Verwendung von nichtkomprimierte Datenmateriel und sorgfältige Auswahl der gespielt Stücke (nicht nur nach Tanzbarkeit sondern auch nach Tonqualität)

Über die Vorzüge der verwendete Finalizer möchte ich hier nicht weiter eingehen, es wird sonst zu technisch. Bemerken möchte ich nur: der Finalizer bekämpft die akustischen Unzulänglichkeiten der Raum so effektiv, dass man den Eindruck bekommt, man befinde sich in einen schönen, warmen, gepolsterten Raum.

Es war einen unvergesslichen Abend – toller Sound, gute Tangos, nette Tänzer, hervorragende Stimmung! Ich kann nur hoffen, dass auch anderen Milongabetreiber diese Milonga besuchen und ähnliche Tanzbedingungen anbieten würden.

p.s. ohne Christian Tobler und Monika Diaz wurde mein Besuch auf die Züricher Tangowoche und die Milonga in Biel nicht möglich, dafür auch herzlichen Dank.

p.p.s. die jenige, die mich schon kennen wissen, dass ich gerne Milongafotos mache. Hier ein Paar von LOCOTANGO, Biel